Je schöner die Prognose, desto herber die Enttäuschung!

Wir werden immer wieder gefragt, warum wir wir uns so vehement gegen Prognosen wenden. Die Antwort ist ganz einfach: Weil Sie als Privatanleger genau so gut ein Horoskop lesen könnten oder einfach eine Münze werfen – der Erkenntniswert wäre der gleiche. Oder etwas pointierter: „Prognosen an der Börse sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“. Bereits 1929 prognostizierte der überaus renommierte amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Irving Fisher ein dauerhaft hohes Niveau der Aktienkurse – nur Tage später kam es zum großen Börsencrash, Weltwirtschaft und Börsenkurse gingen jahrelang auf Talfahrt. 

 

Auch wenn sich bald 100 Jahre später Theorien und Technologien verfeinert und Heerscharen von Wirtschaftswissenschaftlern sich die Köpfe unter Zuhilfenahme gigantischer Rechenkapazitäten zerbrechen, an der misslichen Lage für den Anleger hat sich nichts geändert: Vorhersagen sind einfach nicht möglich. Plötzliche, überraschende Änderungen der Kurse kommen durch rein zufällige Ereignisse zustande, die sich naturgemäß nicht vorhersagen lassen. Der Lauf der Welt und die Psychologie der Massen sind schlichtweg unberechenbar (Auch wenn unser Gehirn das als Vorhersageorgan überhaupt nicht mag!). Und der Theorie nach kann auch kein Investor auf Dauer systematisch besser als der Gesamtmarkt abschneiden. Wundern Sie sich also nicht über das mittelmäßige Abschneiden Ihrer Fonds! Das muss so sein - die hohen Gebühren dafür eher nicht. 

 

"Der Anteil von unterdurchschnittlich abschneidenden Fonds liegt je nach Fondskategorie in den letzten 10 Jahren bei 72 bis 98%." (Standard & Poor´s)

 

Aber woher kommen denn dann die Stars der Börse, werden Sie sich jetzt fragen. Sehr schöne Antworten darauf gibt der Finanzmathematiker Nassim Taleb in seinem Buch „Narren des Zufalls“. Unterhaltsam arbeitet er an vielen Beispielen heraus, dass eine momentane gute Performance alles andere als ein Garant für eine ebensolche in der Zukunft ist. Es ist meist schlichtweg Zufall, dass eine Strategie gerade jetzt zu einer Marktsituation passt. Zu oft erweisen sich die besten Händler irgendwann auch als die schlechtesten (Taleb nennt das „Querschnittsproblem“). Zu jedem beliebigen Zeitpunkt sind die erfolgreichsten Händler jene, die am besten zum jüngsten Zyklus passen. Endet der Zyklus, folgt das typische Desaster wie: John, ein Investmentbanker, erwirtschaftet in sieben Jahren 250 Millionen Dollar für verschiedene New Yorker Investmentbanken – seinem letzten Arbeitgeber beschert er dann einen Verlust von über 600 Millionen Dollar in nur wenigen Tagen. Er macht jetzt beruflich etwas anderes … 

 

Quintessenz: Niemand wird jemals Börsenkurse auch nur annähernd prognostizieren können, es wird noch nicht einmal möglich sein, entsprechende Wahrscheinlichkeiten zu extrahieren und zu Geld zu machen. Wenn Ihnen dennoch beim Produktverkauf Fantasiegebilde aufgedrängt werden, nehmen Sie das am besten als (hoffentlich) gute Unterhaltung - der oder die Verkäufer/in bedient gerade Ihr Sicherheitsbedürfnis und nicht die Wahrheit! Eine erst kürzlich erstellte Studie, die die DAX-Prognosen über die letzten 20 Jahre mit dem tatsächlichen Verlauf verglich, kam zu dem für die Prognostiker peinlichen Ergebnis, dass die Unterschiede immens waren – die Differenz lag immer bei mehr als zehn Prozentpunkten. 

 

Aktueller Pressetipp dazu: SZ vom 31.07.18 "48% Rendite - Warum Beipackzettel von Finanzprodukten Anleger verwirren." 

 

Nur eines ist sicher: Mit plötzlichen Einbrüchen ist immer zu rechnen, und das im doppelten Sinne. Denn wer sie einkalkuliert, kann das Risiko begrenzen. Risikobegrenzung ist der einzig mögliche Weg der Prognose. Das ist zwar nicht so aufregend wie ein echtes Börsenabenteuer – aber mal ganz ehrlich: Suchen Sie das? 


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